Us Journalisten

Tja da stehen „wir“ also nun – zwischen dem Finanzberater (38%) und dem Gewerkschaftsführer (23%) findet man sie – uns, die Journalisten (29%), bei der Frage: Welchem Berufsstand vertrauen die Deutschen am meisten?

Schade eigentlich, wenn man bedenkt wie viele Journalisten, und die die es mal werden wollen, seriöse Arbeit abliefern und sich wirklich Mühe geben. Sicher, auf der Jagd nach der nächsten Schlagzeile werden Fehler gemacht – wie es auch in jedem anderen Job auch. Trotzdem sollte man erwarten können, dass gestandene Reporter die Recherche nicht vernachlässigen und korrektes Zitieren zum Standardrepertoir gehört. Allein aus Selbstschutz – das Internet vergisst nichts.

Umso erstaunlicher ist demnach die schier grenzenlose Dummheit einiger „Kollegen“, die sich an einem warmen Sommertag in Valencia gleich mehrmals in’s eigene Knie geschossen haben. Zum einen wird Nico Rosbergs Aussage zum Thema Frauenfußball komplett falsch zitiert und aus dem Kontext gerissen und zum anderen vergessen diese Vollidioten auch noch ihm den Originalmitschnitt dieses Interviews aus seinen „kalten toten Händen“ zu reissen.

Also kommt es wie es kommen muss – Mopo, tz, BILD und das Hamburger Abendblatt, die üblichen Verdächtigen seriöser journalistischer Arbeit also, entblöden sich nicht mit Überschriften wie „Frauen-WM: Rosbergs peinlicher Fehltritt“ zu titeln – und Nico?

Veröffentlicht einfach das Gesprächsprotokoll auf seiner Homepage – Viel Spaß beim lesen – und danke dafür!


Das Presse-Gespräch im Wortlaut:


Journalist A: Das ist ja die kritische Frage, was soll ich mit Frauen-Fußball anfangen? Oder was soll ich überhaupt mit Frauen-Sport anfangen?
Journalist C: Frauen überhaupt?
Journalist: Nein, nein, nein. Aber verstehst du die Frage: was hat Frauen-Sport überhaupt für eine Berechtigung?
Die Gruppe: Boah!!!
Journalist D: Jetzt outet sich hier aber jemand.
Journalist A: Ich will doch beim Sport die denkbar beste Leistung erleben. Wenn eine Frau von der Grund-Konstitution her weniger Leistung bringen kann, interessiert mich das schon nicht. Nicht weil sie eine Frau ist, sondern weil die Leistung nicht Spitze ist…
Journalist C: Hast du einmal Männer-Kunstschwimmen gesehen?
Journalist A: Das geht ja auch vize-versa.
Journalist im Hintergrund: Ich glaube, das haben einmal zwei Schwuchteln versucht…
Nico: Aber es gibt doch auch Paralympics, die man sich auch ansieht. Das ist doch so, dass dort ein Mensch nicht die ganz große Leistung bringen kann, aber unter sich sind sie alle ähnlich und deswegen ist es trotzdem spannend.
Journalist A: Sehr guter Einwand.
Journalist im Hintergrund: Frauen sind eigentlich grundsätzlich behindert.
Journalist A: Gute Einwände kommen nur, wenn Fragen pushy waren. Ja. Jetzt schreiben wir: Rosberg findet Frauen-Fußball wie Paralympics.
(Allgemeines Gelächter)
Nico: Tja, wenn man es richtig machen würde… tja.
Journalist A: Ne, ne.

Hmm – 29% klingen doch ganz gut.

Us Weltmeister

Oder auch, frei nach Mono-Nikitaman, stell dir vor es ist WM – und keiner geht hin!

Wir werden Weltmeister. Relativ sicher. Wenn uns nicht die ur-ur-ur-ur-Enkelin von Pelés linkem Meniskus Martha oder die Frauenfußball-Weltmacht (wenn man sonst schon nichts mehr ist…) USA aufhält. Wir werden Weltmeister. Dumm nur, dass es kaum jemanden interessieren wird.

Gut – „Kaum“ ist in der großen, weiten Welt des Fußballs ein dehnbarer Begriff. Mittlerweile sind 670.000 von 900.000 Stadiontickets verkauft – durchaus eine respektable Zahl! Auch gibt es einige Zusagen über – Vorsicht Zitat: „größere Public-Viewing Veranstaltungen“. Wer aber, wie unser schon etwas seniler Kaiser oder die Alice Schwarzer des Frauenfußballs Silvia Neid, die Frauen WM mit der der Männer gleichzustellen versucht, sollte sich wirklich einmal untersuchen lassen. So im Kopf.

Ein Beispiel aus finanzieller Sicht: Die Ticketpreise bei der Frauen WM fangen bei 15€ in der einfachsten Kategorie an und steigen bis zum Finale auf 200€ in der höchsten Kategorie. Der billigste Sitz bei den Männern kostete bei 3.000.000 verkauften Karten in der Vorrunde 75€ – das Finale 900€.

Während die Medienvertreter der FIFA, der DFB und die Werbung (Immer hin ist der E-Postbrief commercial nicht ganz so schlicht, wie der der Kollegen Danner und Ebel…) nun also versuchen aus der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2011 etwas zu machen, was sie nicht ist, weiß der geneigte Fußball Fan, warum er sich die Spiele entweder gar nicht oder nur sporadisch am heimischen TV-Gerät anschauen wird und nicht wie 06 08 oder 2010 halbnackt und komplett bemalt durch die Straßen der Republik springt: Frauenfußball ist technisch limitiert, taktisch unterdurchschnittlich, athletisch beschränkt und zusammengefasst – spielerisch auf Kreisliganiveau.

Beispiel gefällig?

2007 – Deutschland-Argentinien

Üblicherweise ein Knaller, an Spannung und Einsatz kaum zu überbieten – hier mehr ein Armutszeugnis. Nicht mal einfachste fußballerische Grundprinzipien – kläre NIE! den Ball zur Mitte – scheinen bekannt zu sein. Von der hanebüchenen Abwehrarbeit und den gefühlten 9 Torwartfehlern ganz zu schweigen.  Auch sehr schön zu beobachten ist das Leistungsgefälle im Frauenfußball: Es gibt frei nach Englischem Vorbild die „Big three“ – Deutschland, Amerika und Brasilien. Der Rest ist Fallobst – wie soll so bei einer WM Spannung aufkommen?

2011 – CL-Finale Turbine Potsdam vs. Olympique Lyon

Ein grauenhaftes Finale, dass das Prädikat Champions League wirklich nicht verdient hat. Von Kampf geprägt – ja – Aber das sind Spiele in der Kreisklasse auch. Während bei den Männern also Barcelona Manchester United unter anderem mit einer Passquote von durchschnittlich 86%(!) sezierte, rumpelten Turbine und Olmpique bei rund 55% aufeinander, begangen währenddessen mehr Fouls und schossen nur halb so oft auf – dafür wesentlich häufiger über oder neben – das Tor. Und das sollen immerhin die besten Fußballerinnen in Europa sein.

2003 – Deutsche Fußballnationalmannschaft der Frauen vs. VfB Stuttgart – B-Jugend

Nur 45 Minuten brauchten die Jungs (Es sind tatsächlich Jungs, in der B-Jugend spielen 15 bis 17-Jährige…) des VfB der komplett besetzten Frauen-Nationalmannschaft drei Tore einzuschenken. Länger als eine Halbzeit wurde – zum Glück für die Frauen? – auch nicht gespielt. Endstand: 0:3

Interesting piece of trivia – ein gewisser Sami K., der mittlerweile in königlicheren Gefilden weilt, lief damals für die Schwaben auf.

Warum schreibe ich nun diesen Chauvi-Text? Selbstverständlich glaube ich nicht, dass Frauen lieber stricken oder Blümchen pflücken sollten, anstatt sich auf dem Rasen der die Welt bedeutet den sprichwörtlichen Arsch aufzureißen. Jeder soll das tun, wozu er oder sie sich berufen fühlt.

Der mittlerweile schon fast krankhafte Versuch aus der Fußball WM der Damen ein Sportereignis der Spitzenklasse zu konstruieren geht allerdings zu weit. Sowohl die Zuschauerzahlen als auch die Einnahmen werden – nicht wie so oft propagiert – in keinem Vergleich zu den Weltmeisterschaften der Männer stehen, vom sportlichen Aspekt mal ganz abgesehen.

Aber immerhin – Wir werden Weltmeister. Wahrscheinlich.

Us Killerspiel-Spieler

Neulich im Stadtsaal Kaufbeuren – eine Informationsveranstaltung zum Thema „Wie Gewalt entsteht“. Grundsätzlich sicher keine schlechte Idee, gibt’s in unserer beschaulichen Kleinstadt ja auch Gegenden die man nach 19 Uhr nur mit SEK-Unterstützung – oder alternativ einer Haushaltspackung Pfefferspray – betreten sollte.

Eine Aussage ist mir aber doch… leicht säuerlich aufgestoßen. Vorsicht – Zitat:

„Das Thema Gewaltspiele soll vor allem die Eltern aufmerksam machen, «so wie ein Pilot im Flugsimulator für echte Flüge übt, lernt auch das Gehirn eines Kindes beim Spielen von Killerspielen immer mit», sagte Mayer.“

Mit Verlaub, das ist Quatsch. Quatsch – vielleicht sogar mit Soße!

Zum einen: Wo fängt ein „Killerspiel“ an? Ist unser allseits beliebter Klempner Mario ein „Killer“ weil er auf Pilzen und Schildkröten herum hüpft? Ist Galgenmännchen ein „Killerspiel“? Immerhin wird dort ein Strichmännchen erhängt, wenn das Wort nicht erraten wird. Noch mal zum Mitschreiben: „Killerspiel“ ist kein Terminus!

Zum anderen: Müsste ich – im Umkehrschluss zu obiger Aussage – nicht nach hunderten Stunden Counter Strike wissen, wie man eine Bombe entschärft? Wie man ein Sturmgewehr läd oder mit einem Scharfschützengewehr schießt? Übrigens – als passionierter Sim-City-Spieler weiß ich auch nicht, wie man tatsächlich eine Großstadt verwalten kann.

 

Auch wissenschaftlich ist die These nicht haltbar. Es gibt zwar Studien die nahelegen, Gewalt in Computerspielen könnte Gewalt im Alltag auslösen, andere Studien belegen aber genau das Gegenteil, wie der Focus und Golem berichten. Häufig werden auch  Studienergebnisse und Forschungsmethoden (zurech) kritisiert, wie in diesem sehr lesenswerten Bericht von heise-online.

 

Zeigt also was?

Dass das Thema noch nicht ausreichend erforscht ist – und man sich auf einem Fachvortag vielleicht mit seinen Aussagen zurückhalten sollte.

Dennoch – oder vielleicht gerade wegen solcher Äußerungen sollten „wir“ Gamer den Kontakt suchen. Auf Politik, Wissenschaft und Medien zugehen – beweisen, dass wir nicht die Freaks sind zu denen wir gerne gemacht werden. Zeigen, warum uns dieses Hobby Spaß macht – und dass es für uns wichtig ist, richtig wahrgenommen zu werden. Wir sind diejenigen, die sich auskennen. Und um uns geht es!

Dass das kein Freibrief für schlechte Recherche und reisserische Artikel sein darf – wie zum Beispiel in der Bild „Bei Counterstrike … explodieren Köpfe“ und „es gibt Boni für Kopf- oder Herzschuss“ – sollte aber auch klar sein.

Easy listening – Rise Against?

Punk-Melodic-Hardcore gemischt mit politischem Engagement und Unterstützung der Tierrechtsorganisation PETA?

Herzlich Glückwunsch, Sie hören Rise Against!

Die Core-Rocker aus Chicago, Illinois haben mit ihrem neuen Album „Endgame“ endgültig den Durchbruch in Deutschland ( Platz 1. der Albumcharts in D ) geschafft und konnten an den Erfolg von „Appeal to Reason“ in Amerika ( Platz 2. der Albumcharts ) anknüpfen.

Allerdings muss sich das Quartett um Leadsänger Tim McIlrath die Frage gefallen lassen, ob ihre Musik nicht zu sehr in den „Billy-Talent“ Mainstream-Punk abdriftet – denn Fakt ist: „Endgame“ ist das bisher melodischste Album der Combo. „Verraten“ die 4 also ihre Ideale und Fans aus Profitgier oder Geltungsbedürfnis?

Nein – Aber

Die Energie, die Inbrunst – aber vor allem die Wut die Sänger Tim McIlrath in frühere Songs wie „To Them These Streets Belong“ oder „Black Masks & Gasoline“ gesteckt hat scheinen verloren gegangen zu sein. Auch das Tempo der Songs und die Stimmlage haben sich verändert, sie klingen gemäßigter. Massenkompatibler? Vielleicht.

Meiner Meinung nach aber treten „Rise Against“ nicht den Abstieg in das Pop-Rock Einerlei an sondern entwickeln sich sinnvoll weiter. Aus einer ursprünglich eher mäßigen Punk-Band sind mittlerweile hervorragende Musiker geworden – und das soll man auch  hören!

Der Drummer Brandon Barnes hat sich seit dem Release von „The Unraveling“ im Jahr 2001 stetig weiterentwickelt und spielt in „Engame“ ein ausgezeichnetes Schlagzeug. Er bestimmt das Tempo ohne sich zu sehr in den Vordergrund zu drängen und spielt kurze aber prägnante Soli.

Auch die Verpflichtung von Zach Blair 2007 als Leadgitarrist, der schon in „Appeal to Reason“ eine große Rolle gespielt hat, war ein absoluter Glücksgriff für die Band. So abwechslungsreiche Riffs wie in „Wait For Me“ oder in „This is Letting Go“ hat man selten gehört.

Und McIlrath? Scheint verstanden zu haben, dass er eine geniale Singstimme hat – das uninspirierte Brüllen in’s Mikrofon aber möglichst lassen sollte. Er versucht nunmehr Geschichten zu Erzählen, Geschichten die ihn beschäftigen – anstatt politische oder ethische Missstände mit dem gesanglichen Vorschlaghammer anzukreiden.

Alles in allem ist das sechste Studioalbum der Jungs aus Chicago durchaus gelungen. Vielleicht ein wenig „braver“ als seine Vorgänger, dafür handwerklich exzellent und melodisch komplett.
Einziger Wehrmutstropfen: Eine Ballade im Stile von „Hero of War“ oder „Roadside“ sucht man auf „Endgame“ vergeblich. Vielleicht auch besser so – denn „Swing live away“ wird vermutlich auf ewig unerreicht bleiben.