Ein Plädoyer für mehr Freude

Wir meckern. Unentwegt und ständig. Über den schusseligen Partner oder den nervigen Chef. Über das schlechte Fernsehprogramm, dämliche Politiker, zu hohe Gehälter bei anderen und zu wenig Netto in unserer Tasche. Und über Pferdefleisch. Und Ratingagenturen. Und Frauenfußball. Hauptsächlich Frauenfußball.

Wir meckern und wir meckern gerne. Wir versuchen, uns über den stillen Konsumenten zu stellen. Wollen besser sein als der BLÖD-Leser und BLÖD-Glauber. Wollen dazugehören zur intellektuellen Elite, zur Diskussionskultur – und werden dabei aber immer mehr zum endlos beleidigten Spießer. [Read more…]

Us Wohnung – Renovierungsarbeiten

Es gibt Menschen, die haben keinen Geschmack… und es gibt die Vorbesitzer unserer Wohnung. Flur mit roten Akzenten? Geht ja noch. Essbereich rot-orange geschwammtechnikt? Scheußlich – streichen wollten wir aber ohnehin.

Warum man hingegen in ein 1996 gebautes Haus einen gemütlich-warmen blau-grauen Teppich legt und die Wände im Schlafzimmer mit einer Mustertapete aus Großmutters Zeiten verziert, kann ich mir nicht erklären. Das Sahnehäubchen der Renovierungshölle: Ein gezimmertes U aus massiven Holzteilen, rund 15cm langen Spax und Teppich im Arbeitszimmer (siehe Bild sechs der Bildergalerie).

Also Hammer, Schraubendreher und Spachtel geschnappt – frei nach Hornbach: „Mach es zu deinem Projekt.“

Und knapp fünf Wochen später können wir sagen: Es ist vollbracht! Tapeten ab, Tapeten drauf, Teppich weg, Laminat verlegt. Gestrichen ist alles, die Fliesen sind abgeschlagen. Zwar müssen wir noch auf die Küche und einige Möbel warten aber wir sind auf der Zielgeraden und ich möchte mich bedanken.

Bei allen fleißigen Helfern, die uns streichend, tapetenabkratzend und fernsehertragend unterstützt haben.

Bedanken bei meinem Vater, der mir viele Entscheidungen leichter gemacht hat. Und Bedanken bei der Koryphäe des Kleisters, der Titanin der Tapete, der Furie im Farbeimer.  Bei meiner Mama.

Danke. Für alles.

Us Wohnung – Der Kauf

Ich habe es getan, mich überwunden und die bisher größte Entscheidung meines Lebens getroffen. Ich habe eine Wohnung erworben. 3 Zimmer in Kaufbeuren-Neugablonz – und ich kann ohne Feuerwaffe vor die Tür gehen. Was will man mehr?

An einem regnerischen Mittwochabend war es so weit. In einem wunderschönen Büro (bei rund 800 € für 45 Minuten „Arbeit“ – also vorlesen – kann man sich das sicherlich leisten…) habe ich meinen Michalski unter den Vertrag gesetzt. Wusste gar nicht, dass man für wichtige Schriftstücke auch Tinte statt Blut verwenden kann. Und nein, dass es nach Schwefel riecht, ist offensichtlich nicht „ganz normal“. @webmock, @mschmid

Aber egal – Der Countdown läuft. Bis Mitte Januar soll die Wohnung komplett bezogen sein und die to-do Liste ist lang:

  •  Alte Wohnung entrümpeln, streichen
  • Küchenfliesen sauber abschlagen (hoffentlich danach nicht verputzen …)
  • Küche planen (welcher Depp kauft ’ne Wohnung in die keine Blockküche passt? .. oh, ja… riiiiiiiiiiiiiichtig!)
  • Teppich (voll verklebt, §&“§$““§$&§$/&§“) entfernen (Honey besorgt sich einen Stripper) – 2 Zimmer
  • Tapeten lösen – 2 Zimmer
  • Tapezieren – 2 Zimmer
  • Laminat verlegen – 2 Zimmer
  • Laminat ausbessern – 1 Zimmer ( hoffentlich… )
  • Streichen – 3 1/2 Zimmer, Flur, Bad
  • Einrichtung kaufen und aufbauen (bisheriger Besitz: Fernseher, Fernsehunterschrank, Kleiderständer, 2 Kommoden…)

Für geübte und oder talentierte Handwerker ist dieser Zeitplan sicherlich kein Problem. Für mich … nun ja, sagen wir es mal so: Als ich kürzlich einen Siphon montierte habe, ohne die göttliche Sintflut zu beschwören, war ich stolz wie Oskar.

Und jetzt – wünscht mir bitte alle viel Spaß! …

Us Schreiberlinge

Der Monitor ist blank. Bis auf die obere linke Ecke. Dort blinkt der vermaledeite Word-Cursor und lacht einen geradezu an. „Na, immer noch nicht den richtigen Anfang gefunden?“ scheint er zu fragen. Arsch.

Vielleicht solltest du dich lieber mit dem Special beschäftigen, dem Ninja-Report (How i met your Mother Kenner werden sich erinnern) – oder wie wär’s mit einem Kaffee? Einer Zigarette?

Es ist eben nicht immer leicht, einen passenden Einstieg in ein Thema zu finden. Oder den Hauptteil dazu. Oder den Schluss. Vielleicht liegt einem die Materie nicht, vielleicht hat man andere Dinge im Kopf – oder Angst, dass die Qualität nicht stimmt.

Was ist also zu tun, wenn nichts mehr weiter geht? Ein Ansatz unter hunderten hat mich persönlich besonders angesprochen: Das therapeutische Schreiben – zumindest das was Peter Welchering darunter versteht. Kurz und einfach gesagt – Man schreibt das, was man möchte und kommt so in einen „flow-Zustand“ in dem man auch schwierige Themen und Texte angreifen kann.

Und so ensteht gerade folgendes:

 

Wahlkampf

Kapitel I – Der alte Mann und der Mord

Der alte Mann wusste, dass er sterben würde. Es war nur noch eine Frage der Zeit. Und er hatte es verdient – da war er sich sicher. Mehr noch, es gab Tage da wünschte er sich den Tod herbei. Wünschte sich, die Gesichter zu vergessen die ihn verfolgten. Wünschte sich, dass die Schreie endlich verstummen.

Unruhig wanderten seine glasigen, blutunterlaufenen Augen durch den Raum, bis sie das Objekt der Begierde fanden. Die Fernbedienung.

„Und heute bei Die Alm – Promischweiß und Edelweiß erklärt Gina Lisa, wie das wirklich mit Ihrem Porno gelaufen ist“.

Der alte Mann hatte den Fernseher angeschaltet. Weniger aus Interesse am Programm als aus Ungeduld. Wie lange wollte ihn der Tod denn noch warten lassen?

„Hier ist das Erste Deutsche Fernsehen mit der Tagesschau. Freude in Libyen: Nach den ersten freien Wahlen seit dem Gaddafi-Regime hat der afrikanische Staat ab heute einen neuen Präsidenten.“

„Der Libyer Basmah Ishraq, vom Übergangsrat als Staatsoberhaupt vorgeschlagen, wird morgen offiziell in das Amt eingeführt. Wahlbeobachter der UN sprechen von einer fairen und erstaunlich ruhigen Wahl.“ „Scheisse! Was für ein Schwachsinn“, sagte er zu sich.

Hätte er fliehen sollen? Es zumindest versuchen? „Nein – Man hätte mich gefunden. Sie hätten mich gefunden“, redete er sich ein. Er hätte das Unausweichliche nur hinausgezögert. Es verschoben, nicht verhindert.

Weit wäre er sowieso nicht gekommen. Er hatte kaum mehr Kontakte und noch weniger Geld – „das hätte nicht funktioniert“. Außerdem knackten seine Knie bei jedem Schritt, sein Rücken machte seit geraumer Zeit Probleme und sein Gehör schien auch nicht mehr das Beste zu sein. Denn das was hinter ihm geschah merkte er, trotz seiner Ausbildung, viel zu spät. „Ah. Da sind Sie ja endlich. Das Fernsehprogramm hätte mich beinahe noch vor Ihnen umgebracht.“

Und so starb Erdogan Aydin, wie sie ihn hier nannten, mit 73 Jahren in Kaufbeuren.