Von Giraffen, Löwen und Idioten

Bengt Holst hatte ein hehres Ziel: Er wollte den Menschen in Kopenhagen etwas beibringen. Er wollte ihnen erklären, dass Fleisch – so natürlich es als Nahrungsmittel ist – nicht auf Bäumen wächst. Er wollte zeigen, dass für Fleischkonsum Tiere sterben müssen. Gleichzeitig nahm er sich vor, zwei Probleme in seinem Zoo lösen. Das eine Problem war die Inzest-Gefahr in seinem Giraffengehege, die laut den Regeln der Europäischen Zoo- und Aquarienvereinigung in seinem Zoo bestand.  Das zweite Problem: Seine Löwen waren hungrig.

Was weiter passierte, kann man auf vermutlich jedem Online-Portal dieser Welt nachlesen. Das Auswildern der betroffenen Giraffe sei nicht möglich gewesen, kein Zoo wollte „Marius“ aufnehmen und auch eine Kastration sei nicht in Frage gekommen.

Also ließ der Zoo-Direktor die eineinhalb Jahre alte Giraffe schlachten, zerteilen und den Löwen zum Fraß vorwerfen. Warum auch nicht? Ist das Leben einer Giraffe mehr wert, als das der Schweine oder Rinder, die normalerweise im Raubtier-Gehege landen? Vor den extra eingeladenen Zuschauern wollte Bengt das „echte Leben“ zeigen. „Der Tod ist nichts ungewöhnliches“, sagte er der BILD.

Belohnt wurde der Zoo-Direktor für die Aktion nicht. Er löste damit ein weltweites Medienecho aus, die Facebook-Seite des Kopenhagener Zoos ertrinkt im internationalen Shitstorm. Jetzt muss sich Bengt verteidigen, wird in die Enge gedrängt. Und das vermutlich auch zu Recht, denn trotz des edlen Ziels – seine Idee war eine monumentale Dummheit.

Trotz der vielleicht richtigen Intention, trotz seines Wunsches, anderen etwas beizubringen. Warum? Weil er nicht bedacht hat, dass die Überschrift „Vor Kinderaugen: Zoo-Direktor tötet Baby-Giraffe und verfüttert sie an Löwen“ mehr Klicks bringen würde, als „Kopenhagener Zoo-Direktor veranschaulicht Fleischkonsum„. Welchen Weg die Berichterstattung daraufhin nehmen musste, wäre ihm besser bewusst gewesen.