Us Weltmeister

Oder auch, frei nach Mono-Nikitaman, stell dir vor es ist WM – und keiner geht hin!

Wir werden Weltmeister. Relativ sicher. Wenn uns nicht die ur-ur-ur-ur-Enkelin von Pelés linkem Meniskus Martha oder die Frauenfußball-Weltmacht (wenn man sonst schon nichts mehr ist…) USA aufhält. Wir werden Weltmeister. Dumm nur, dass es kaum jemanden interessieren wird.

Gut – „Kaum“ ist in der großen, weiten Welt des Fußballs ein dehnbarer Begriff. Mittlerweile sind 670.000 von 900.000 Stadiontickets verkauft – durchaus eine respektable Zahl! Auch gibt es einige Zusagen über – Vorsicht Zitat: „größere Public-Viewing Veranstaltungen“. Wer aber, wie unser schon etwas seniler Kaiser oder die Alice Schwarzer des Frauenfußballs Silvia Neid, die Frauen WM mit der der Männer gleichzustellen versucht, sollte sich wirklich einmal untersuchen lassen. So im Kopf.

Ein Beispiel aus finanzieller Sicht: Die Ticketpreise bei der Frauen WM fangen bei 15€ in der einfachsten Kategorie an und steigen bis zum Finale auf 200€ in der höchsten Kategorie. Der billigste Sitz bei den Männern kostete bei 3.000.000 verkauften Karten in der Vorrunde 75€ – das Finale 900€.

Während die Medienvertreter der FIFA, der DFB und die Werbung (Immer hin ist der E-Postbrief commercial nicht ganz so schlicht, wie der der Kollegen Danner und Ebel…) nun also versuchen aus der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2011 etwas zu machen, was sie nicht ist, weiß der geneigte Fußball Fan, warum er sich die Spiele entweder gar nicht oder nur sporadisch am heimischen TV-Gerät anschauen wird und nicht wie 06 08 oder 2010 halbnackt und komplett bemalt durch die Straßen der Republik springt: Frauenfußball ist technisch limitiert, taktisch unterdurchschnittlich, athletisch beschränkt und zusammengefasst – spielerisch auf Kreisliganiveau.

Beispiel gefällig?

2007 – Deutschland-Argentinien

Üblicherweise ein Knaller, an Spannung und Einsatz kaum zu überbieten – hier mehr ein Armutszeugnis. Nicht mal einfachste fußballerische Grundprinzipien – kläre NIE! den Ball zur Mitte – scheinen bekannt zu sein. Von der hanebüchenen Abwehrarbeit und den gefühlten 9 Torwartfehlern ganz zu schweigen.  Auch sehr schön zu beobachten ist das Leistungsgefälle im Frauenfußball: Es gibt frei nach Englischem Vorbild die „Big three“ – Deutschland, Amerika und Brasilien. Der Rest ist Fallobst – wie soll so bei einer WM Spannung aufkommen?

2011 – CL-Finale Turbine Potsdam vs. Olympique Lyon

Ein grauenhaftes Finale, dass das Prädikat Champions League wirklich nicht verdient hat. Von Kampf geprägt – ja – Aber das sind Spiele in der Kreisklasse auch. Während bei den Männern also Barcelona Manchester United unter anderem mit einer Passquote von durchschnittlich 86%(!) sezierte, rumpelten Turbine und Olmpique bei rund 55% aufeinander, begangen währenddessen mehr Fouls und schossen nur halb so oft auf – dafür wesentlich häufiger über oder neben – das Tor. Und das sollen immerhin die besten Fußballerinnen in Europa sein.

2003 – Deutsche Fußballnationalmannschaft der Frauen vs. VfB Stuttgart – B-Jugend

Nur 45 Minuten brauchten die Jungs (Es sind tatsächlich Jungs, in der B-Jugend spielen 15 bis 17-Jährige…) des VfB der komplett besetzten Frauen-Nationalmannschaft drei Tore einzuschenken. Länger als eine Halbzeit wurde – zum Glück für die Frauen? – auch nicht gespielt. Endstand: 0:3

Interesting piece of trivia – ein gewisser Sami K., der mittlerweile in königlicheren Gefilden weilt, lief damals für die Schwaben auf.

Warum schreibe ich nun diesen Chauvi-Text? Selbstverständlich glaube ich nicht, dass Frauen lieber stricken oder Blümchen pflücken sollten, anstatt sich auf dem Rasen der die Welt bedeutet den sprichwörtlichen Arsch aufzureißen. Jeder soll das tun, wozu er oder sie sich berufen fühlt.

Der mittlerweile schon fast krankhafte Versuch aus der Fußball WM der Damen ein Sportereignis der Spitzenklasse zu konstruieren geht allerdings zu weit. Sowohl die Zuschauerzahlen als auch die Einnahmen werden – nicht wie so oft propagiert – in keinem Vergleich zu den Weltmeisterschaften der Männer stehen, vom sportlichen Aspekt mal ganz abgesehen.

Aber immerhin – Wir werden Weltmeister. Wahrscheinlich.

  • lap

    Frauen und Männerfußall zu vergleichen ist einfach Blödsinn. Frauenfußball muss man als eigenständige Sportart sehen.
    Oder lässt man eine Regina Halmich gegen Vitali Klitschko antreten????

  • Anonymous

    Erstmal, Herr Michalik, werden wir Weltmeisterin! Aber mit einer Sache hast Du recht: Es wird ein künstlicher Hype erzeugt! Vielleicht könnte sich Frauenfußball auch so etablieren, aber so kurz vor der WM drückt man halt auf die ganz dicke Tube. Das spielt das Thema Frauenfußball und die DFB-Spitze sogar mal im Tatort mit:  http://www.youtube.com/watch?v=SWLsq5bT85g 

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